Die Qualität eines geschweißten Bauteils hängt nicht nur von einer qualifizierten Schweißanweisung (WPS) ab, sondern ebenso vom Können des Schweißers, der sie umsetzt. Das Schweißerzertifikat (die Schweißerprüfungsbescheinigung) dokumentiert unabhängig, dass ein Schweißer in einem bestimmten Prozess, einer Werkstoffgruppe sowie einem definierten Dicken- und Positionsbereich Schweißnähte in zulässiger Qualität ausführen kann. Die Referenznorm für Stahl ist EN ISO 9606-1.
Für Einkaufs- und Qualitätsteams, die einen Lieferanten für Lohnschweißen auswählen, gehört dieses Dokument zu den ersten Nachweisen, die beim Lieferantenaudit angefordert werden. In diesem Beitrag fassen wir zusammen, was das Zertifikat abdeckt, wie man es erlangt und wie seine Gültigkeit erhalten bleibt.
Warum ist die Schweißerprüfung Pflicht?
Zahlreiche Normen und Richtlinien schreiben vor, dass in der Fertigung ausschließlich qualifizierte Schweißer eingesetzt werden:
- EN 1090-2 — Bei Stahlbauarbeiten ab EXC2 müssen Schweißer nach EN ISO 9606-1 qualifiziert sein.
- EN ISO 3834-2 — Bei umfassenden Qualitätsanforderungen ist die Qualifikation des Personals nachzuweisen.
- PED 2014/68/EU — Bei Druckgeräten muss das Personal, das unlösbare Verbindungen herstellt, von einer zugelassenen Stelle anerkannt sein.
- EN 15085-2 — Bei Schienenfahrzeugen ist die Schweißerqualifikation Voraussetzung für die Zertifizierungsstufe.
Kurz gesagt: Die WPS legt fest, „wie geschweißt wird“, das Schweißerzertifikat, „wer es ausführen darf“. Im Audit werden beide gemeinsam verlangt.
Wie läuft die Prüfung nach EN ISO 9606-1 ab?
Die Prüfung erfolgt an einem Prüfstück, das reale Fertigungsbedingungen abbildet, und wird von einer Prüfstelle oder einem autorisierten Prüfer überwacht. Der typische Ablauf:
- Festlegung des Prüfstücks: Blech oder Rohr, Stumpfnaht (BW) oder Kehlnaht (FW), Dicke und Schweißposition werden gewählt.
- Schweißen: Der Schweißer schweißt das Prüfstück nach einer qualifizierten oder vorläufigen (pWPS) Schweißanweisung.
- Prüfungen: Eine Sichtprüfung erfolgt immer; anschließend Durchstrahlungsprüfung (RT) oder Biegeprüfungen, bei Kehlnähten Bruchprüfung oder Makroschliff.
- Bewertung: Die Annahmekriterien richten sich in der Regel nach EN ISO 5817 Bewertungsgruppe B (für einige Unregelmäßigkeiten C).
- Ausstellung des Zertifikats: Bei bestandener Prüfung erhält der Schweißer ein Zertifikat, das den Geltungsbereich ausweist.
Was deckt das Zertifikat ab? Die wesentlichen Einflussgrößen
Das Zertifikat definiert anhand der beim Prüfstück verwendeten Einflussgrößen einen bestimmten Geltungsbereich. Schweißarbeiten außerhalb dieses Bereichs sind nicht vom Zertifikat abgedeckt.
| Einflussgröße | Beispiel | Auswirkung auf den Geltungsbereich |
|---|---|---|
| Prozess | 135 MAG, 136 Fülldraht, 141 WIG, 111 Lichtbogenhandschweißen | Jeder Prozess wird separat qualifiziert |
| Produktform | Blech (P) / Rohr (T) | Eine Rohrprüfung deckt unter bestimmten Bedingungen auch Blech ab |
| Nahtart | Stumpfnaht (BW) / Kehlnaht (FW) | Eine Stumpfnahtprüfung kann unter geeigneten Bedingungen Kehlnähte einschließen |
| Werkstoffgruppe | ISO/TR 15608 Gruppe 1, 8, 10 usw. | Geltungsbereich erweitert sich gruppenweise |
| Schweißzusatz | Massivdraht (S), Fülldraht (M, B, R) | Begrenzt nach Drahttyp |
| Dicke | Prüfstückdicke t | Qualifiziert einen von t abhängigen Bereich |
| Position | PA, PB, PC, PF, PE, H-L045 | Schwierige Positionen schließen einfachere ein |
Details zu den Schweißpositionen finden Sie in unserem Beitrag zu Schweißpositionen.
Gültigkeitsdauer und Verlängerung
Die Gültigkeit des Zertifikats hängt von zwei Bedingungen ab:
- Halbjährliche Bestätigung: Die Schweißaufsicht oder der Arbeitgeber bestätigt alle 6 Monate, dass der Schweißer ohne Unterbrechung im Geltungsbereich des Zertifikats tätig war. Arbeitet ein Schweißer länger als sechs Monate nicht im betreffenden Prozess, verliert sein Zertifikat die Gültigkeit.
- Verlängerungsmethode: EN ISO 9606-1 sieht drei Optionen vor: Wiederholungsprüfung alle 3 Jahre, Verlängerung alle 2 Jahre durch Nachweis zweier Fertigungsschweißungen aus den letzten 6 Monaten mittels volumetrischer oder zerstörender Prüfung, oder unbefristete Gültigkeit bei dokumentierter Fertigungsqualität (bei nach EN ISO 3834 zertifizierten Herstellern).
Tipp für Einkäufer: Prüfen Sie beim Lieferantenaudit nicht nur die Kopie des Zertifikats, sondern auch die Unterschrift der letzten halbjährlichen Bestätigung und die gewählte Verlängerungsmethode.
Was sollten Einkaufsteams prüfen?
- Decken Prozess, Werkstoffgruppe und Dickenbereich im Zertifikat Ihr Bauteil ab?
- Passt der Positionsbereich zu den Lagen, die das Bauteil beim Schweißen einnimmt?
- Sind die halbjährlichen Bestätigungen aktuell?
- Stimmen Schweißerliste und WPS-Liste überein?
- Wird die Schweißaufsicht von einem Schweißfachingenieur (IWE/EWE) wahrgenommen?
Bei ArmaWeld werden Schweißerqualifikationen, WPS-Portfolio und die Projektdokumentation gemeinsam verwaltet; zu Projektbeginn wird festgelegt, welcher Schweißer mit welcher WPS arbeitet. Weitere Details finden Sie in unseren Beiträgen Was ist eine WPS? und Was ist ein WPQR?.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange ist eine Schweißerprüfung gültig?
Nach EN ISO 9606-1 wird sie je nach gewählter Verlängerungsmethode alle 2 oder 3 Jahre erneuert; in beiden Fällen ist alle 6 Monate eine Bestätigung durch den Arbeitgeber erforderlich. Bei nach EN ISO 3834 zertifizierten Herstellern ist bei dokumentierter Fertigungsqualität auch eine unbefristete Gültigkeit möglich.
Was ist der Unterschied zwischen EN ISO 9606-1 und EN ISO 14732?
EN ISO 9606-1 qualifiziert Schweißer, die manuell und teilmechanisch schweißen. Beim Roboter- und vollmechanischen Schweißen werden die Bediener nach EN ISO 14732 qualifiziert.
Welche Norm gilt für das Schweißen von Aluminium?
Für Aluminium und Aluminiumlegierungen erfolgt die Schweißerqualifikation nach EN ISO 9606-2.
Schweißer- und WPS-Nachweise im Überblick
Die für Ihr Projekt gültigen Schweißerzertifikate und die WPS-Liste stellen wir Ihnen bereits in der Angebotsphase zur Verfügung.
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