Schweißverzug ist die Folge ungleichmäßiger Erwärmung und Abkühlung durch die Schweißwärme. Ungleichmäßige thermische Ausdehnung und Schrumpfung verursachen dauerhafte Formänderungen.

Verzugsarten

ArtBeschreibungTypisches Vorkommen
LängsschrumpfungVerkürzung in NahtrichtungAlle Nähte
QuerschrumpfungVerengung quer zur NahtStumpfnähte
WinkelverzugV-förmiges Öffnen/Schließen an KehlnähtenKehlnähte
BeulenWelligkeit in dünnen BlechenDünnes Blech (≤6 mm)
DurchbiegungLängsverbiegung von TrägernI-Träger, U-Profil
VerdrehungDrehung um die AchseAsymmetrische Konstruktionen

Einflussfaktoren

  • Streckenenergie (Q): Höhere Streckenenergie → mehr Verzug
  • Nahtvolumen: V-Naht erzeugt mehr Verzug als X-Naht
  • Lagenanzahl und -folge: Ausgewogene Mehrlagenschweißung reduziert Verzug
  • Wärmeausdehnungskoeffizient: Austenitischer Stahl dehnt sich ~40% mehr als Baustahl

Vermeidungsstrategien

1. Konstruktionsphase

  • Symmetrische Nahtanordnung (X-Naht, beidseitige Kehlnaht)
  • Überschüssiges Schweißgut minimieren

2. Vorbereitungsphase

  • Vorverformung (Pre-Camber): Gegenläufige Vorverformung
  • Heftschweißung: Ausreichend viele und richtig beabstandete Heftnähte
  • Spannvorrichtungen: Geometrie fixieren

3. Während des Schweißens

  • Sprungschweißung: Abwechselnd an verschiedenen Stellen schweißen
  • Rückwärtsschweißung: Jede Lage rückwärts setzen
  • Niedrige Streckenenergie: Kleinere Elektrode, höhere Geschwindigkeit

Numerische Schätzung und Korrektur

Querschrumpfungsschätzung: ΔS ≈ 0,2 × Aw / t

Korrektur: Richtverfahren

  • Mechanisches Richten: Presse oder Hammer (nur dünne Bleche)
  • Flammrichten: Auf ~600–650°C erhitzen, kontrolliert abkühlen

Flammrichten ist bei HARDOX und S960QL VERBOTEN. Über 200°C wird die Werkstoffhärte irreversibel gemindert. Nur Spannvorrichtung + Vorverformung einsetzen.

Ingenieurunterstützung bei Schweißverzugskontrolle

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