MIG/MAG-Schweißen (Metall-Schutzgasschweißen, in der Türkei „gazaltı kaynağı“) ist ein Verfahren, bei dem ein Lichtbogen zwischen einer kontinuierlich von der Spule zugeführten Drahtelektrode und dem Werkstück brennt und die Schweißzone durch Schutzgas geschützt wird. In der internationalen Fachliteratur wird es als GMAW (Gas Metal Arc Welding) bezeichnet; in der EN ISO 4063 ist es je nach verwendetem Gas unter den Kennzahlen 131 (MIG) und 135 (MAG) definiert.

Dank hoher Fertigungsgeschwindigkeit, leichter Erlernbarkeit und guter Eignung für die Roboterautomatisierung ist es das am häufigsten eingesetzte Verfahren in der industriellen Schweißfertigung.

Unterschied zwischen MIG und MAG

  • MAG (Metall-Aktivgas, 135): Es werden aktive Gase wie CO₂ oder Ar/CO₂-Gemische verwendet. Bei unlegierten und niedriglegierten Stählen ist es Standard.
  • MIG (Metall-Inertgas, 131): Es werden inerte Gase wie Argon oder Argon-Helium verwendet. Bevorzugt wird es bei Aluminium und anderen Nichteisenmetallen.

Welches Gas wann eingesetzt wird, erläutern wir ausführlich in unserem Beitrag zur Schutzgasauswahl.

Komponenten einer MIG/MAG-Schweißanlage

  • Stromquelle: Inverter- oder Transformatoranlage mit Konstantspannungscharakteristik (CV).
  • Drahtvorschubeinheit: Fördert den Draht mit der eingestellten Geschwindigkeit zum Brenner; die Drahtvorschubgeschwindigkeit bestimmt den Schweißstrom.
  • Brenner und Schlauchpaket: Führen Draht, Strom und Gas zur Schweißstelle.
  • Gasflasche und Druckminderer: Stellen die Gasmenge ein (typischerweise 12–18 l/min).

Lichtbogenarten (Werkstoffübergang)

LichtbogenartStrom / SpannungEinsatz
KurzlichtbogenNiedrigDünne Bleche, Wurzellage, alle Positionen
ÜbergangslichtbogenMittelMeist unerwünscht; starke Spritzerbildung
SprühlichtbogenHochDicke Querschnitte, Horizontal- und Wannenposition, hohe Abschmelzleistung
ImpulslichtbogenVariabelAluminium, Edelstahl, geringe Wärmeeinbringung und wenig Spritzer

Wie wird MIG/MAG geschweißt?

  1. Draht- und Gasauswahl: Für Baustahl werden in der Regel G3Si1 (SG2) Draht und M21 (Ar/18 % CO₂) Gas verwendet.
  2. Parametereinstellung: Drahtvorschub (Strom), Spannung und Gasmenge werden auf die Werkstoffdicke abgestimmt. Ausführliche Werte finden Sie in unserem Beitrag zu den MIG/MAG-Schweißparametern.
  3. Freie Drahtlänge: Der Abstand zwischen Kontaktrohr und Werkstück beträgt in der Regel 10–15 mm.
  4. Brennerwinkel und -führung: Ein stechender Winkel von 10–15° ergibt eine flachere und breitere Naht, ein schleppender Winkel einen tieferen Einbrand.
  5. Prüfung: Die Naht wird durch Sichtprüfung kontrolliert; bei kritischen Bauteilen wird ZfP durchgeführt.

Vorteile und Grenzen

VorteileGrenzen
Hohe Schweißgeschwindigkeit und AbschmelzleistungIm Freien stört Wind den Gasschutz
Keine Schlacke, geringer ReinigungsaufwandDie Brennergröße kann den Zugang an engen Stellen erschweren
Sehr gut für Roboter und Automatisierung geeignetGefahr von Bindefehlern bei falscher Einstellung
Für Stahl, Edelstahl und Aluminium einsetzbarAusrüstung komplexer als beim E-Hand-Schweißen

Häufige Fehler

  • Poren: Zu geringe oder zu hohe Gasmenge, verschmutzte Oberfläche, Luftzug.
  • Bindefehler: Zu niedrige Spannung, zu hohe Schweißgeschwindigkeit oder falscher Brennerwinkel; besonders beim Kurzlichtbogen ist Vorsicht geboten.
  • Übermäßige Spritzer: Ungleichgewicht zwischen Spannung und Drahtvorschub oder hoher CO₂-Anteil.
  • Einbrandkerben: Zu hoher Strom und zu hohe Spannung.

Fehlerarten und deren Ausbesserung finden Sie in unserem Beitrag zu Schweißfehlern.

Bei ArmaWeld: Bei Rahmen, Stahlkonstruktionen und Maschinenteilen setzen wir MAG- und Roboter-MAG-Schweißen mit qualifizierten WPS ein. In der Serienfertigung sorgt das Roboterschweißen für reproduzierbare Qualität und kurze Taktzeiten.

Häufig gestellte Fragen

Welches Gas wird beim MIG/MAG-Schweißen verwendet?

Bei Baustählen ist ein Gemisch aus Argon und 15–25 % CO₂ am gebräuchlichsten (EN ISO 14175 M21). 100 % CO₂ ist günstiger, erhöht aber die Spritzerbildung. Bei Aluminium wird reines Argon verwendet.

Was ist der Unterschied zwischen MIG/MAG-Schweißen und E-Hand-Schweißen?

Beim MIG/MAG-Schweißen wird der Draht kontinuierlich zugeführt und durch Gas geschützt; das Verfahren ist schneller, und es entsteht keine Schlacke. E-Hand-Schweißen ist mit einfacherer Ausrüstung auch auf windigen Baustellen möglich, ist aber langsam, und nach jeder Elektrode muss die Schlacke entfernt werden.

Was bestimmt die Drahtvorschubgeschwindigkeit beim MIG/MAG-Schweißen?

Bei Anlagen mit Konstantspannung bestimmt die Drahtvorschubgeschwindigkeit den Schweißstrom. Mit steigendem Drahtvorschub nehmen Strom und Abschmelzleistung zu; die Spannung beeinflusst dagegen Lichtbogenlänge und Nahtbreite.

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