Vorwärmen bedeutet, den Grundwerkstoff vor dem Schweißen auf eine bestimmte Temperatur zu bringen. Ziel: Abkühlgeschwindigkeit reduzieren, Kaltrissgefahr (wasserstoffinduzierte Risse) senken und harte Gefüge verhindern.

Grundregel: Vorwärmen ist bei hohem Kohlenstoffäquivalent, großen Wanddicken und niedrigen Umgebungstemperaturen zwingend erforderlich.

EN ISO 1011-2: Zwei Methoden

  • Methode A: CEV-basiert. Für allgemeine Baustähle.
  • Methode B: CET-basiert. Für hochfeste Stähle (S460–S960).

Methode A: CEV-Berechnung

CEV = C + Mn/6 + (Cr+Mo+V)/5 + (Ni+Cu)/15

StahlCEV (typisch)Vorwärmanforderung
S235JR0,35–0,40In der Regel nicht erforderlich (≤30 mm)
S355J2+N0,40–0,45Bei großen Wanddicken (≥25 mm) empfohlen
S460M / S500MC0,40–0,50Typisch 50–100°C
S690QL0,55–0,65100–150°C zwingend
S960QL0,65–0,82150–200°C zwingend

Methode B: CET und praktische Formel

CET = C + (Mn+Mo)/10 + (Cr+Cu)/20 + Ni/40

Vorwärmtemperatur Tp:

Tp = 700·CET + 160·tanh(d/35) + 62·HD0,35 + (53·CET - 32)·Q - 330

Berechnungsbeispiel — S690QL

Zusammensetzung: C=0,16, Mn=1,50, Mo=0,40, Cr=0,30, Cu=0,20, Ni=0,40

  • CET = 0,385
  • 20 mm, H5-Zusatzwerkstoff, 1,0 kJ/mm → Tp = 120,3°C

Ergebnis: Vorwärmtemperatur muss ≥120°C betragen.

Korrekturfaktor niedrige Umgebungstemperatur

  • Umgebung +5°C bis 0°C → +25°C addieren
  • Umgebung 0°C bis −10°C → +50°C addieren
  • Unter −10°C → Schweißen aufschieben oder Windschutz errichten

Vorwärmmethoden in der Praxis

  • Widerstandsheizband: Hohe Genauigkeit, ideal für Rohre und dicke Platten.
  • Induktionsheizung: Schnell, sauber. Bevorzugt für Fertigungslinien.
  • Gasbrenner: Üblich bei Feldschweißungen. Temperatur mit Tempilstick prüfen.

Zwischenlagentemperatur

  • Zwischenlagentemperatur ≥ Vorwärmtemperatur (darf nie darunter fallen)
  • Zwischenlagentemperatur ≤ Herstellerempfehlung (≤220°C für S960QL)
  • Vor jeder Lage messen

Unterstützung bei der Vorwärmberechnung

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